Sachverständigenbüro Dr. Lenz


Geruch und seine Messung, Richtlinien

Geruch - angenehm oder störend

Jeder von uns kennt angenehme Gerüche, aber auch störende Gerüche bis hin zu Übelkeit erregendem Gestank.

Der Geruch von frischem Kaffee oder Backwaren ist für die meisten Menschen hierzulande ein durchaus geschätzter Aspekt am frühen Morgen, ein permanenter Geruch von frisch geröstetem Kaffee in der Nähe einer Kaffeerösterei kann aber auch des Gegenteil verursachen.

Ein Parfüm kann einen sehr schönen und angenehmen Eindruck hervorrufen. Aber auch das Gegenteil kann passieren: Wir empfinden dann den Geruch als schwer, lasziv und übertrieben.

Geruch ist Geschmacksache, Geruch ist stark erinnerungsbehaftet, Geruch kann je nach dem sehr störend sein.

Geruch kann aber auch so stören, daß er die Lebensqualität stark einschränkt.

Nur wenige wissen heute noch, wie während der kühleren Jahreszeit die Innenstädte von den Abgasen der Holz- und Kohleheizungen belastet waren. Nicht nur die Sicht war betroffen, sondern es war ein ganz bestimmter Geruch permanent zugegen, der nur ab und an durch Wind gemildert wurde. Da schon früh in den 60'ern des vorigen Jahrhunderts die Verbreitung von Ölheizungen und dann folgend Gasheizungen forciert wurde, verbesserte sich die Luftqualität der Innenstädte zunehmend. Mancherortens bestimmen sogar Bebauungspläne die Art der Heizung und es nicht ungewöhnlich, wenn eine Gasheizung als Standard vorgeschrieben ist und der Kamin nur als sporadische Zusatzheizung zulässig ist.

Wer schon einmal eine Abdeckerei besucht hat und danach feststellt, wie stark dieser Geruch dann in den Kleidern und auch in der Haut steckt, weiß wie störend und sogar belästigend ein solcher Geruch sein kann. Weitere Beispiele sind Zuckerfabriken während der Kampagne, Großbäckereien oder eine Imbißstube. Auch der Besuch einer Gaststätte oder einer Brauerei "verewigt" sich gerne in der Kleidung.

 

Geruch - wann störend

 

Wenn ein Geruch ständig anwesend ist, sie die Fenster nicht mehr öffnen können, ohne diesen Geruch in ihre Wohnung zu lassen, der Geruch nicht unbedingt ortstypisch ist, dann kann  Geruch Anlaß sein, sich belästigt zu fühlen.

In der Umwelt können Geruchsbelästigungen vor allem durch Luftverunreinigungen aus Chemieanlagen, Mineralölraffinerien, Lebensmittelfabriken, Tierintensivhaltungen und Abfallbehandlungsanlagen sowie aus dem Kraftfahrzeugverkehr, aus Hausbrand, Landwirtschaft und Vegetation verursacht werden (Zitat: GIRL).

Ich will versuchen dies an Beispielen zu erläutern.

Fall 1:

Sie wohnen in einem städtischen Wohngebiet (Innenstadt) und haben die Fenster ihres  Schlafzimmers zum Innenhof des Gebäudekomplexes, da sie hier weniger Lärm haben als zur Straßenseite. Im Erdgeschoß dieses Wohnkomplexes eröffnet eine kleine Bäckerei. Die Abluft des Backofens wird in den Innenhof geleitet, die Hauptbackzeit ist zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens.

Dann werden Sie die Fenster zu nachtschlafender Zeit nicht mehr öffnen können oder gekippt lassen, oder ihre Wohnung wird intensiv nach Backwaren riechen.

 

Fall 2:

Sie wohnen in einem Mischgebiet (halb Gewerbe, halb Wohngebiet), mit Ansiedlung kleiner Handwerksbetriebe ohne große Emissionen (also z. B. kein Kraftwerk, kein großchemischer Betrieb u. ä.).

Eine Autolackiererei führt ihre Abluft aus der Lackierkabine über Dach und betreibt die Kabine auch am Wochenende, so dass sie auf ihrer Terrasse ihren Kaffee und Kuchen häufig mit einem leichten Duft von Nitroverdünnung genießen können, je nach Windrichtung.

 

Richtlinie und Messung

Die Geruchsimmissions-Richtlinie (GIRL) legt entsprechende Grenzwerte in Form von Geruchseinheiten (GE) fest.

Geruchseinheiten werden olfaktometrisch gemessen. Die Proben werden i. d. R. an der Quelle genommen und anschließend in einem sog. Olfaktometer reproduzierbar verdünnt und diese Luft -Verdünnungen einem Probandenkollektiv zum "Riechen" gegeben. Sobald ein Geruch für min. 2 Probanden wahrnehmbar wird, ist definitionsgemäß eine Geruchseinheit (GE) erreicht, anschließend wird per Rechenverfahren auf die tatsächliche Konzentration hochgerechnet. Dabei wird mit einem zusätzlichen Rechenschritt auch die mögliche und wahrscheinliche, ortstypische Ausbreitung des Geruchs berücksichtigt.

Das ergibt dann ein Maß für die tatsächlich vorliegende Geruchsbelastung. Wenn diese Belastung über einem zumutbaren Wert liegt, liegt lt. Richtlinie eine Überschreitung eines Grenzwertes vor, der dann einer richterlichen Überprüfung zugänglich ist.

 

Das ganze Verfahren ist nicht trivial und kann nur von besonders geschulten und erfahrenen Meßteams richtig durchgeführt werden. Vorsicht vor Angeboten, die standardmäßig abgegeben werden, ohne daß der Auftragnehmer die Örtlichkeiten genau kennt.

Der (mögliche) Erfolg der Messung ist vorher genau zu hinterfragen, damit die nicht unerheblichen Kosten nicht umsonst erbracht werden.

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