Sachverständigenbüro Dr. Lenz


Innenraumluft und Lüftung

Die Luft in den Räumen, in denen wir uns täglich aufhalten, sollte unsere besondere Aufmerksamkeit finden. Es ist nicht selbstverständlich, dass diese Luft immer von einwandfreier Beschaffenheit ist. Einwandfreie Luft ist aber für unser Wohlergehen sehr wichtig. Darum lassen Sie mich einige Worte über das richtige Lüften verlieren.

Nach meiner Erfahrung wird im Allgemeinen zu wenig und falsch gelüftet. Dieses Thema ist bereits in etlichen Publikationen breit getreten worden, aber dennoch finde ich immer wieder Beispiele, bei denen die Lüftung nicht richtig gemacht wird.

Wie sieht denn eine gute, "richtige" Lüftung aus?

Diese ist von einigen Faktoren abhängig, wie zum Beispiel der Beschaffenheit und der Dichtigkeit der Fenster und Türen, der Isolationswirkung insbesondere der Außenwände, und des Alters sowie der Lage des Bauwerks. Daher können keine allgemeingültigen Empfehlungen gegeben werden.

Noch vor einigen Jahrzehnten waren die Heizkosten nicht auf dem heutigen Niveau. Zu der Zeit wurden auch die Fenster noch nicht so dicht produziert, wie sie heutzutage eingebaut werden. Alte Fenster, ich erinnere mich noch an die Fenster in meinem Elternhaus, das stammt aus den ersten 50'ern des vorigen Jahrhunderts, waren ohne Dichtprofile und niemals vollkommen dicht. Der notwendige Luftwechsel war auch bei "geschlossenen" Fenstern gesichert.

Bei den heutigen dichten Fenstern und Türen, wie sie auch immer mehr in Altbauten eingesetzt werden, ist eine regelmäßige Stoßlüftung wichtig. Im Sommer stellt dies auch kein Problem dar. Die Probleme tauchen regelmäßig in der kälteren Jahreszeit auf. Ein ständig gekipptes Fenster ist keine gute Lüftung, sondern führt im Gegenteil nur zur Auskühlung der Wände und kann eine regelmäßige Stoßlüftung nicht ersetzen. Das gekippte Fenster führt in der kalten Jahreszeit dazu, das die Wände in dem betreffenden Raum auskühlen und dann das Wasser in der Wand kondensiert. Dann kann eine Schimmelbildung einsetzen.

In ständig bewohnten Räumen sollte spätestens alle 3 Stunden für 5 - 15 Minuten eine Stoßlüftung erfolgen, die dem Luftaustausch dient, aber nicht zur Auskühlung des Mauerwerks führt. Eine Stoßlüftung sieht so aus, dass alle Fenster und Türen zur Außenseite geöffnet werden und nach der Lüftung auch wieder geschlossen werden. Es soll möglichst schnell die gesamte Luft im Raum ausgetauscht werden. Siehe auch unter Schimmel.

Es sollte mindestens viermal täglich so gelüftet werden, selbst an Regentagen vermindert man so die Feuchtigkeit in den Innenräumen, eine Messung kann in Zweifelsfällen Klarheit bringen. Ganz besonders wichtig ist das Lüften nach dem Duschen oder Kochen. Dauerlüftung mit gekippten Fenstern sollte tabu sein. Damit wird nur die Auskühlung der Wände und die Schimmelbildung gefördert.

Die Lüftung ist auch abhängig von der Anzahl der Bewohner, von der Nutzung, der Temperatur und der Luftfeuchte.

Falls ein Raum während der kalten Jahreszeit nicht bewohnt ist und die Heizung in diesem Raum nur zur Frostsicherung dient, dann muss auch dieser Raum von Zeit zu Zeit gelüftet werden. Gefährlich ist es, diesen Raum nicht zu heizen und gleichzeitig die Tür zu den anderen Innenräumen offen zu lassen. Dann wirkt dieser Raum auf die Feuchtigkeit in der gesamten Wohnraumluft wie eine Kühlfalle, d.h. er zieht die Feuchtigkeit an und kondensiert diese an seinen Wänden. Dann ist die Möglichkeit der Schimmelbildung gegeben.

Im Zweifelsfall kann hier nur eine Messung der Temperatur von Luft und Wand sowie der Luftfeuchte Aufschluss bringen.

Beispiel:

In einem Altbau aus den 20'er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden die Fenster durch moderne Ausführungen aus Kunststoff mit doppelter umlaufender Dichtung ersetzt. Nach einiger Zeit klagen die Bewohner über allgemeines Unwohlsein, Nasenlaufen, Augentränen und weitere allgemeine und für den Arzt schwer einzuordnende Symptome.

Was war passiert?

Der natürliche Luftwechsel, der durch die alten undichten Fenster "automatisch" erfolgte, war gestört. Es wurde wie früher ab und zu mit gekippten Fenstern "gelüftet". Damit blieb jetzt die größere Menge der feuchten Luft in der Wohnung und schlug sich jetzt an den Wänden nieder, die nach der Fenstererneuerung jetzt den schlechteren Dämmwert als die neuen Fenster haben. Die vermehrte Feuchtigkeit bot Schimmelpilzen und Bakterien in den Wänden einen Nährboden und die Stoffwechselprodukte der Bakterien und die Sporen der Pilze führten zu den Symptomen bei den Bewohnern.

Mit der richtigen Lüftung und einer kontinuierlichen, ausreichenden Heizung wurden die Wände wieder trockener und die Symptome klangen ab. In den Bädern und in der Küche wurde die Heizung etwas höher eingestellt, die Wohnräume wurden regelmäßig gut gelüftet.

Wichtig: Zu viel Energiesparen führt leider nicht zu einer tatsächlichen Einsparung. Die Kosten für die anschließende Beseitigung des Schimmels sind in aller Regel höher als die eingesparten Heizkosten. Außerdem kostet ein ständiges auf und abdrehen der Heizung mehr Energie als ein gleichmäßiges Durchheizen.

 

Was beeinflusst die Luftqualität noch?

Stoffe, die in der Luft sein können. Hierzu gehört das Radon, ein radioaktives Edelgas, dass ständig aus dem Erdreich in unsere Wohnungen strömt und durch Lüftung wieder herausgeführt wird. Eine weitere Belastung kann durch Möbel verursacht werden. Formaldehyd kann aus Möbelspanplatten emittieren oder wie auch Benzol, aus dem Tabakrauch die Atemluft belasten. Weitere Stoffe sind Lösemittel, die beispielsweise aus Lacken oder Klebern in die Raumluft abgegeben werden. Weichmacher aus Kunststoff- oder Lackflächen belasten die Luft weniger als beim Berühren die Haut.

Im Zweifelsfall kann nur eine Messung Klarheit geben.

Beispiel:

In einem Bürogebäude wurde über eine zu hohe Belastung der Innenraumluft mit Formaldehyd und Benzol sowie einer Keimbelastung wg. Feuchtigkeit geklagt. Es werden die Möbel und der Teppichboden, die vom Vermieter zur Verfügung gestellt werden, verdächtigt. Weiterhin wir der Benzolgehalt der Innenluft auf die Garage im Keller des Hauses und die darin abgestellten Fahrzeuge zurückgeführt.

Die Keimbelastung kann durch einfache Abklatschproben mit anschließender Bebrütung widerlegt werden. Eine Luftmessung mit Aktivkohle Röhrchen (ORSA) zeigt eine mäßige Innenraumbelastung mit Benzol, demgegenüber ist die Außenluft trotz naher Straße praktisch nicht belastet. Außerdem zeigt die Messung des Formaldehyds während des Wochenendes (keine Personen zugegen) keine übermäßige Belastung. Während der Arbeitszeit wird von einigen Mitarbeitern allerdings mäßig bis stark geraucht. Durch die Hochrechnung des angegebenen Tabak-Konsums kann die Feststellung der Benzol- und Formaldehydkonzentration in der gleichen Größenordnung (unter Einbeziehung des Standard-Messfehlers) mit einer Modellrechnung plausibel gemacht werden.

Ohne Messung und umfängliches Literaturstudium wäre eine sinnvolle Eingrenzung für die Herkunft der Stoffe nicht möglich gewesen.

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