Sachverständigenbüro Dr. Lenz


Schimmel - Schimmelpilze

Schimmel in der Wohnung?

Schimmel in Wohnungen ist ein Problem, dass unsere Vorfahren mit den früheren undichten Fenstern und Türen selten hatten. Damals war auch die Lüftung kein Problem. Sie passierte einfach so.

Heute werden immer mehr Wohnungen aus Gründen der Energieeinsparung mit dichten Fenstern und Türen versehen. Dass aber ein Luftaustausch notwendig ist, insbesondere zur Erniedrigung der Luftfeuchtigkeit, ist vielen nicht bewusst. Frau und Mann freuen sich über die niedrigeren Heizkosten und vergessen dabei, dass jetzt nicht mehr die sanierten Fenster, sondern bestimmte Wände den schlechtesten Isolationswert im Hause haben.

Die Feuchte in der Wohnraumluft kondensiert am kältesten Teil des Hauses, nach der Sanierung nicht mehr am Fenster, sondern an irgendeiner Wand. Das Fatale dabei: Es fällt zunächst gar nicht auf. Die Wand wird langsam feucht, dabei wird die schwache Isolationswirkung immer schwächer, die Kondensation nimmt immer mehr zu. Und nach einiger Zeit wird dieser Wandabschnitt unbemerkt von Mikroorganismen besiedelt, wenn die notwendige Feuchtigkeit über einen längeren Zeitraum vorhanden ist. Unbemerkt deshalb, weil man das erste Wachstum nicht sieht. Zu den Mikroorganismen gehören neben Bakterien auch Pilze, deren Mycel dem Auge zuerst verborgen ist. Wenn das Wachstum auf Grund von Verfärbungen sichtbar wird, dann ist das Wachstum schon weit fortgeschritten - es haben sich in der Regel die ersten Sporen gebildet, die durch ihre Färbung sichtbar werden.

Dann ist auch eine Gesundheitsgefährdung gegeben, denn die Dauerbeaufschlagung der Innenraumluft mit Sporen ist nicht gesundheitsfördernd.

Somit ist das regelmäßige Lüften sehr wichtig - ganz besonders bei gut isolierenden Fenstern, die nicht von genauso gut oder besser isolierenden Wänden umgeben sind. Siehe auch Innenraum und Lüftung.

Genauso wichtig ist ein richtiges Heizverhalten. Also nicht das Energiesparen übertreiben, sondern die Räume, die bewohnt sind, auch beheizen. Schlafzimmer sollten 16-18°C haben, Wohnräume 20-21°C. Räume, die nicht bewohnt werden, sind zu schließen, damit diese nicht zur Kühlfalle für die Feuchtigkeit der anderen Räume werden. Auch diese Räume müssen wie die normalen Räume regelmäßig gelüftet werden. Gehen Sie davon aus, dass die kalte Luft draußen immer einen geringeren absoluten Wassergehalt hat, als die wärmere Luft im Innenraum. Luftaustausch vermindert i. d. R. den Wassergehalt!

Also: Türen schließen, Heizung kurz abdrehen, alle Fenster auf! 5 Minuten warten, dann Fenster schließen, Heizung wieder auf die gewünschte Stellung bringen. Dabei bleiben die Wände warm, ganz wichtig in der kalten Jahreszeit und die frische Luft hat absolut weniger Feuchtigkeit, es ist also wieder etwas trockener. Nicht bewohnte Räume genauso lüften!

Schimmelpilze - kurze Einführung

Schimmelpilze oder im Volksmund Schimmel genannt ist die Trivialbezeichnung für eine sehr große Gruppe von Pilzen, die systematisch nicht klar definierbar ist. Diese Gruppe stellt eher eine ökologische Einheit dar, die durch folgende und weitere hier nicht genannte Eigenschaften charakterisiert ist:

  1. Wachstum auf faulenden nährstoffreichen Substraten, dabei wird die Substratoberfläche von einem oft farbigen Belag überzogen, der die Konidien trägt. Die Konidien sind die Träger der Sporen, die für die jeweilige Art eine typische Ausprägung haben, so beim Gießkannenschimmel (Aspergillus), Pinselschimmel (Penicillium) oder Köpfchenschimmel (Mucor). Die Konidien haben oft eine charakteristische Farbe, z. B. der Blauschimmel des Tabaks oder der Brotschimmel.

  2. Ausbildung eines Mycels (Substratmycel und Luftmycel).

  3. Schnelle Wachstumsgeschwindigkeit.

  4. Hohe Sporulationsfähigkeit und überwiegend asexuelle Vermehrung.

  5. Ubiquitäres Vorkommen und universelle geographische Verbreitung.

  6. Ausgeprägte Metabolitbildung, neben Sekundärmetaboliten werden auch noch Zwischenprodukte des Primärstoffwechsels und zudem Enzyme ausgeschieden.

Vorkommen:

Schimmelpilze finden sich auf organischen Substraten aller Art wie Lebensmittel, Textilien, Leder, Holz und anderen. Im Gegensatz zu Hefen (Beispiel: Bier) besiedeln Schimmelpilze eher feste Substrate (Beispiel: Brot oder Käse). Von Schimmelpilzen können fast alle in Nahrungsmitteln vorkommenden Kohlenhydrate verwertet werden. Einige Arten bilden in symbiontischer Lebensweise mit Algen oder Cyanobakterien die bekannten Flechten.

Bedeutung:

Einige Schimmelpilze sind pathogen (d. h. sie verursachen Krankheiten). Je nach Körperteil und dem pathogenen Vermögen der Erreger verursachen Schimmelpilze tiefe oder Systemmykosen (Lunge, vor allem Aspergillus fumigatus). Dermatomykosen, Aspergillosen und Mucor-Mykosen treten als opportunistische Pilzinfektionen vor allem bei immungeschwächten Organismen auf. Schimmelpilzsporen verursachen Allergien.

Durch die Sekundärstoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, die sogenannten Mykotoxine, können auch gefährliche Lebensmittelvergiftungen verursacht werden. Zu den stärksten Mykotoxinen gehören die Aflatoxine, die von dem auf Brot, Nüssen und Obst häufig anzutreffenden Aspergillus flavus gebildet werden. Zur Schimmelpilzbekämpfung im Hygiene- und Lebensmittelsektor dienen Antimykotika, Desinfektions- und Konservierungsmittel, im technischen Bereich Fungizide (z.B. in Wandfarben).

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